Unsere Regionalbibliothek

Gerade einmal 84 Bücherwürmer und gut 4000 Bücher bildeten den Grundstock der 1.Weidener Stadtbücherei, die 1953 offiziell eröffnet wurde – im 2. Stock des Sparkassengebäudes in der Bahnhofstraße. Nach einer „Zwischenstation“ in der Asylstraße zog die Stadtbücherei 1976 in das Alte Schulhaus, das Kulturzentrum Hans Bauer, in der Schulgasse um.

Mit den Jahren erfreute sie sich einer immer größeren Leserschaft, der Bücherbestand wuchs beständig und auch die Neuen Medien hielten Einzug. So wurde es der Stadtbücherei im Kulturzentrum allmählich zu eng und die Stadtväter suchten nach einer neuen Bleibe für die mittlerweile 7000 Leser und über 50 000 Bücher.

Zur Freude aller – Bibliotheksmitarbeiter, Leser und wahrscheinlich auch Bücher – wurden sie fündig. Die Regionalbibliothek fand ihre neue Heimat im Waldsassener Kasten. Hier entstand ein großer, lichtdurchfluteter Lesetempel, der mit seinen 2260 Quadratmetern dreimal so groß war wie die ehemalige Stadtbücherei.

Am 21. Oktober 1994 öffnete die neue Regionalbibliothek ihre Pforten für alle Lesehungrigen und Wissensdurstigen mit dem ersten Wein-Lese-Fest, das zwischenzeitlich legendär ist.

Der Waldsassener Kasten

Der geistige Grundstein für den Bau des Waldsassener Kastens wurde bereits im 13. Jahrhundert gelegt. Die Herzöge von Niederbayern schenkten dem Kloster Waldsassen 1287 umfangreiche Zehentrechte in und um Weiden. Aber erst im 18. Jahrhundert erwirkte der Zisterzienserorden unter Abt Eugen die Genehmigung zum Bau eines Verwaltungsgebäudes mit Getreidespeicher in Weiden.

Der Klostervorsteher erwarb ein Gartengrundstück „in der Scheibe“ und berief seinen Glaubensbruder Frater Johannes Philipp Muttone als Baumeister. Zwischen 1739 und 1742 entstand als „Propstei mit Getreidekasten“ der prächtigste Weidener Barockbau. 1803 wurde das Kloster säkularisiert und der Waldsassener Kasten ging in den Besitz des bayerischen Staates über.

Das Kastengebäude wurde zunächst durch das Staatliche Forst- und das Königliche Rentenamt genutzt. 1857 bezog das Königliche Bezirksgericht mitsamt Bezirksgefängnis die barocken Hallen. Von 1879 bis 1966 war der Waldsassener Kasten Sitz des Weidener Landgerichts und bis 1989 Sitz des Landgerichtsgefängnisses.

Nachdem er über 130 Jahre als „Knast“ gedient hatte, sollte der Waldsassener Kasten endlich ein heller, freundlicher Ort werden, den freie Menschen gerne freiwillig aufsuchen. Die Stadt Weiden kaufte das Gebäude 1983 vom Staat und verwirklichte in einem ersten Bauabschnitt (1986 – 90), im Südflügel des Barockgevierts, das Internationales Keramik-Museum, Zweigmuseum der Neuen Sammlung München, das 1990 eröffnet wurde. Der zweite Bauabschnitt (1991 – 94) umfasste die Sanierung des Nordtraktes als Domizil der neuen Regionalbibliothek, die am 21. Oktober 1994 ihre Pforten öffnete.

Auf 2260 Quadratmetern entstand eine regionale Bibliothek, die seinesgleichen sucht. Als Verwaltungsgebäude diente einige Jahre auch der benachbarte, über 400 Jahre alte Flurerturm, ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung.

Im Einzugsgebiet der grenzübergreifenden Regionalbibliothek leben etwa 300 000 Menschen, darunter auch zahlreiche Leser aus Tschechien.